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In einem Jahrtausend wuchs Dellwig
von Archivrat Robert Jahn

Die Wege, die in die Vorgeschichte unserer modernen Industrielandschaft führen sollen, gleichen oft den Pfaden durch einen Urwald. Ist es schon schwer, diese schmalen Spuren nicht zu verlieren, um nicht ins Weglose abzugleiten, so ist obendrein auch noch unsicher, ob sie überhaupt zu einem rechten Ziel führen und den Wanderer nicht nur narren und ihm eine Fata Morgana vorspiegeln, die nur eine erträumte Welt darstellt. Wir haben das richtige Gefühl dafür, daß Dellwig, das heute durch den Gang der geschichtlichen Entwicklung etwas in den Hintergrund gerückt worden ist, in seinen Ursprüngen nicht hinter den Nachbargemeinden zurücksteht und mit ihnen auf gleicher Linie erwachsen ist.

Mit dem bloßen Meinen ist nichts getan. Wir wenden uns von einer aus ungenau gelesenen Urkunden erdichteten Traumwelt ab. Da keine pergamentnen Urkunden über die Anfänge der Siedlung vorhanden sind, müssen wir versuchen, auf andere Weise etwas über die älteste Vergangenheit von Dellwig zu erfahren. Wir müssen feste Gegebenheiten heranziehen, und das kann in diesem Falle nur die LANDSCHAFT sein. Zwar ist die alte Landschaft unwiederbringlich dahin. Sie hat schon lange ihr ursprüngliches grünes Kleid abgeworfen. Die heutige Karte des Raumes zwischen Emscher und Ruhr zeigt nur spärliche grüne Flecken, kümmerliche Reste des ehemaligen Waldkleides, das sie einst einhüllte. Denn wenn auch das Emschertal uns in einer ganzen Reihe von Funden beachtliche Spuren einer vorgeschichtlichen Besiedlung geliefert hat, so ist doch für die ganz frühe Zeit an eine wie heute zusammenhängende Besiedlung nicht zu denken. Diese Spuren sind an wenige günstiggelegene Stellen gebunden und geben uns keine Möglichkeit, ein in sich geschlossenes Kulturbild zu entwickeln. Für die geschichtliche Betrachtung der heute bestehenden Siedlung müssen wir davon ausgehen, daß das Land zwischen den beiden Wasserläufen im wesentlichen Ödland war: Bruch, Heide, Horst und hochstämmiger Wald, vom Menschen nur durchstreift, aber nicht ernstlich zum Bewohnen bearbeitet. Das geschah erst nach den Stürmen der Völkerwanderung, als die im Frankenlande herrschenden Kreise darangingen, die bisher nutzlos liegengebliebenen Gegenden ernstlich in Angriff zu nehmen. Doch über diesen ganzen sehr wichtigen Vorgang geben keine Quellen uns nähere Auskunft: wir sehen nur seine Ergebnisse und bleiben über seinen Ablauf völlig im dunkeln. Zu der Zeit, in der unsere heutigen Siedlungen zum erstenmal erwähnt werden, sind sie jedesmal schon vorhandene und in einen herrschaftlichen Zusammenhang eingegliederte Ortschaften, so, als ob sie schon seit jeher bestanden hätten.

So ist das auch in dem Lande zwischen Emscher und Ruhr, das wir im ganzen als ein spät besiedeltes Gebiet ansehen müssen. Die bisherigen tausend Jahre seiner bekannten Geschichte haben es gründlich umgewandelt, so daß die ursprüngliche Landschaft kaum noch zu erkennen ist. Aber immerhin: trotz aller Schwierigkeiten und Kümmernisse der Wasserregelung für die immer dichter und anspruchsvoller gewordene Bevölkerung und Industrie dieses Gebietes fließen seine beiden Wasseradern noch, die Emscher und die Ruhr, wenn auch in mannigfachster Weise durch die Hand des Menschen verändert und umgestaltet, und gliedern die Landschaft in unverkennbarer Weise. Wir dürfen nur nicht kleinlich und kirchturmgebunden sein: die Menschen, die vor tausend Jahren begonnen haben, die Landschaft zu gestalten, waren es auch nicht. Wenn wir aber so das Ganze der Landschaft unter den Blick nehmen, dann erkennen wir zwei Orte, die sich durch ihren gleichartig gebildeten Ortsnamen abheben: D e l l w i g und K e t t w i g. Es gibt in unserer Nähe nur diese beiden so gebildeten Namen. Nun erkennen wir auch, daß ihre Lage gleiche Eigenart aufweist; beide Ortschaften liegen unweit eines Flusses, die eine in einer "Delle", die andere an einem "Katt" ,das heißt: einer Flußkrümme. Der heutige deutschsprechende Mensch versteht die beiden Namen nicht mehr; das Wort "Delle" ist zwar in der Mundart noch durchaus bekannt, aber die Wörter "Katt" und "Wik" sind ausgestorben und werden nicht mehr verstanden. Schon daraus ergibt sich, daß die Siedlungen ihren Namen zu einer Zeit bekommen haben, als diese Wörter noch lebendig waren. Man kann auch nicht mehr sagen, welche genaue Bedeutung das Wort "Wik" einmal gehabt hat, und ebenso wenig kann man sagen, ob es ein ursprünglich deutsches Wort ist, das dann zu "wiken" = weichen gehören und etwa "Ausweichstelle" bedeuten müßte, oder ob es aus dem Lateinischen entnommen ist. Nach den Bezeugungen, die man für dieses Wort in der alten deutschen Sprache hat, muß es in vielen Fällen so etwas wie eine Stapelstelle bedeutet haben, einen Ort, an dem man Waren hortete oder niederlegte, stapelte oder in Verwahrung hielt. Wikhäuser sind kleine Schutzhäuser in der Landwehr, sind andrerseits aber auch Gebäude zur Warenablage, Flucht-, Kauf- oder Packhäuser. Nach einer Bemerkung in einem Werdener Heberegister ist ein Wik ein Ort, "wo Kaufleute verweilen". Das ist nun leider nicht gerade sehr klar ausgedrückt, aber man wird doch vermuten dürfen, daß die als Wik bezeichneten Ortschaften nicht rein ländlicher Natur gewesen sind, sondern irgendwie etwas mit dem Handel oder dem Warenverkehr zu tun gehabt haben, sei es, daß Kaufleute in solchen Ortschaften wohnten oder aber daß sie dort wegen des Stapelzwanges "verweilen" mußten, Für K e t t w i g dürfte die Beziehung auf den Warenverkehr gegeben sein. Der Flußübergang bei Kettwig war nicht ein privater und gelegentlicher, sondern eine öffentliche Angelegenheit.

Ein Flußübergang liegt aber auch bei D e l l w i g vor. Er hat bis zum heutigen Tage seine Wichtigkeit und ist noch bedeutsamer geworden, nachdem nun die beiden Brücken im Zuge der Prosperstraße, die über den Rhein-Herne-Kanal und die über die Emscher, den modernen Brückenzug darstellen. Es ist für uns heute selbstverständlich, daß Dellwig die Verbindung über die Emscher nach Bottrop darstellt. Das wird in alten Zeiten auch schon so gewesen sein, und an Hand dieser Überlegung bekommen wir ein neues Zeugnis über Dellwigs Vergangenheit in die Hand. Wir zweifeln nicht daran, daß Dellwig mit B o r b e c k irgendwie seit jeher zusammengehörte. Nun aber müssen wir Dellwig auch in Verbindung mit B o t t r o p sehen, und jetzt bekommt auf einmal wieder eine Namensähnlichkeit einen geschichtlichen Sinn. Der Name Borbeck ist aus Borchtbeki entstanden. Der zweite Bestandteil des Namens, -beki, bedeutet "Bach". Der erste Bestandteil aber gehört zu dem Namen der Landschaft und der Bewohner unseres Gebietes. Die Landschaft hieß nämlich nach ihren Bewohnern das Borchterland, in alter Sprache Borchtaro gô, wobei gô "Landschaft" bedeutet, und Borcht- ist der erste Teil des Namens der Borchter oder Boructuarii, wie man um das Jahr 700 auf lateinisch sagte. Nach eben diesem Namen ist aber auch der Ort Bottrop genannt, nämlich Borcht-throp, wobei -throp oder -thorp "Dorf" bedeutet. Wir halben also aus sehr alter Zeit den "Borchtbach" und das "Borchtdorf", Bor-beck und Bor-trop = Bottrop nebeneinander, in genau gleicher Bildung des Namens. Wenn Namen überhaupt einmal einen Sinn hatten, so kann das kein Zufall sein. Es hat sich vielmehr immer wieder gezeigt, daß alte Ortsnamen einen rechtlichen Sinn hatten, daß die Namen die innere Verfassung oder die Zugehörigkeit der Siedlungen andeuteten.

Wir können die Einzelheiten bei der völligen Abwesenheit urkundlicher Belege nicht mehr durchschauen. Nur ganz allgemein kann man sagen, daß für die frühesten Zeiten ihres Daseins ein Zusammenhang zwischen den beiden so ähnlich benannten Ortschaften Bottrop und Borbeck anzunehmen ist. Die Benennung der beiden Stellen nach der Lage in der Landschaft, die sich von hier aus bis nach Soest hin erstreckte, dem Borchtergau, bekommt dadurch ihr besonderes Gewicht, daß hier die Westgrenze gegen die rheinischen Landschaften verlief, die beiden Orte also als Grenzsiedlungen bezeichnet sind. Zwischen ihnen nun liegt Dellwig, unweit der Übergangsstelle über die Emscher. Damit hängt es zusammen, daß der Ort nicht im Hinblick auf seine Lage oder seine agrarische Bedeutung benannt ist, sondern einen Hinweis auf seine verkehrstechnische Bedeutung angibt, nämlich als "Wik". Ob dabei die ehemalige Sandgate, nach der ja auch ein Bauerngut den Namen trug, mehr als eine örtliche Bedeutung gehabt hat, läßt sich nicht sagen. Ihre Bedeutung kann auf die Abfuhr aus der Sandkuhle unweit des Weges von Bottrop nach Essen zu örtlicher Verwendung als Wegebefestigung und Bodenaufbesserung beschränkt gewesen sein. Denkbar wäre es jedoch auch, daß die großen Steinbauten in der Gründungszeit der Abteien einen stärkeren Bedarf an Sand verursacht hätten. Wie dem auch gewesen sein mag, der durchgehende Weg nach der Ruhr wird früh bestanden haben. Sucht man sich den alten Straßenzug von Bottrop über Dellwig und Borbeck zu vergegenwärtigen, so gelangt man zu dem alten Werdener Fronhof Raadt (zu dem ursprünglich auch Rüttenscheid gehörte), am heutigen Flughafengelände, und von da aus geradenwegs weiter nach Kettwig, das ja auch früh in Abhängigkeit von Werden erscheint. Wie die frühgeschichtlichen Herrschaftsverhältnisse, vor der Gründung der Abtei Werden, dort gewesen sind, entzieht sich unserer Kenntnis.

Für Kettwig darf man annehmen, daß dort einst eine Einrichtung gewesen ist, der der Name"Wik" zukam. Sie hing vielleicht mit einer Stapelgerechtigkeit zusammen, die dort beim Übergang von Waren über die Ruhr ausgeübt wurde. Viele Orte oder Herren hatten im Mittelalter das Recht, passierende Waren anzuhalten, abladen und für eine gewisse Zeit stapeln zu lassen, ehe sie, womöglich nur auf stapeleigenem Fahr- und Fuhrzeug, weitergeführt werden durften. Daraus ergab sich eine beträchtliche Einnahmequelle. Der Name Dellwig, das ist: Wik im Tal, läßt vermuten, daß dort auch einmal ähnliches beim Übergang über die Emscher bestanden hat. Nach einer Übergangsstelle, einem "Funder", ist die Burg Vondern benannt, ebenso aber auch das Gut Funne- oder Fundemann in Dellwig. Das alles spricht dafür, daß hier einst der Flußübergang eine wichtige Rolle gespielt hat, auch wenn darüber nichts Urkundliches überliefert ist. Wir wissen nicht, wer der vornehme Herr oder die Grundherrschaft gewesen ist, dem das "Wik" bei Dellwig ursprünglich gehört hat. Nach Lage der Dinge ist man genötigt, an die ursprüngliche Herrschaft von Haus Borbeck zu denken, die ja erst nach der Gründung des Stiftes Essen an dieses übergegangen sein wird. Zwischen Dellwig und dem alten Herrensitz Borbeck liegt die Bauerschaft Gerschede, am "Gerscheide", dem ger- oder keilförmig zugespitzten "Scheid". Ein Scheid aber ist eine der herrschaftlichen Familie vorbehaltene Ausscheidung aus dem im übrigen der Allgemeinheit zustehenden Markenwald. Wir erkennen somit einen grundherrschaftlichen Zusammenhang von Borbeck über Gerschede nach Dellwig, denn auch das "Wik" war natürlich der Grundherrschaft vorbehalten. Vielleicht reichte dieser Zusammenhang in der Urzeit bis nach Bottrop. Aber all das läßt sich nicht mehr nachweisen, da die spätere Entwicklung, vor allem das Aufkommen der Essener Großgrundherrschaft, die alten Zusammenhänge verdunkelt oder ganz aufgelöst hat. Zu der Zeit, in der Dellwig uns als gesicherte geschichtliche Größe entgegentritt, ist es bereits ein Teil der Essener Grundherrschaft. Grundherrschaft ist eine adelige, von der Obrigkeit eingesetzte oder zugelassene Herrschaft agrarischen Charakters, die Verfügungsrecht über Land und Leute hat. Zeichen und Ausweis solcher Herrschaft ist das feste Haus, das der Grundherr bewohnt, Ausfluß seiner Herrschaft aber die Berechtigung, das Land roden zu lassen und die Rodeleute als zu seinem Haus gehörige Untersassen auf seinem Land anzusetzen, sie als Landleute mit einer Hufe auszustatten und Abgaben und Dienste von ihnen zu fordern. Das Ganze einer solchen Herrschaft nannte man ursprünglich ein "Bauer" (Bur), später eine "Bauerschaft" die dazugehörigen Leute die "Gebauern" oder einfach "Bauern". Wenn die geschichtliche Überlieferurig in unserer Gegend einsetzt, sind die ursprünglichen Grundherrschaften schon verschwunden. Sie sind in der Großgrundherrschaft des Stiftes Essen aufgegangen. Die oberste Herrschaft ist nun das Stift in der Person der Abtissin oder ihrer Pröbstin, die ursprünglichen Grundherren der eingegliederten Grundherrschaften sind ritterliche Dienstmannen geworden und werden später durch eingesetzte Beamte, die Schulten, ersetzt, an deren Stelle dann noch später Bauern treten, die ein besonderes Pachtverhältnis mit der stiftischen Güterverwaltung eingegangen sind und den alten Beamtentitel jetzt als bäuerlichen Ehrennamen weiterführen.

Dellwig erscheint nun als eine Art Unterbauerschaft von Borbeck. Aber auch dieses Verhältnis ist schon getrübt. Man sollte erwarten, daß die Dellwiger Bauernstellen zum "Hof" Borbeck gehörten. Aber bei ihrer ersten Erwähnung, im Rentenverzeichnis der Abtei Essen vorn Jahre 1332, erscheinen Dellwiger Bauerngüter als zum Hof Ehrenzell gehörig. Das ist die ehemalige Grundherrschaft von Altendorf (also von "Essen-West", nach unserer heutigen Ausdrucksweise), die im Jahre 966 von König Otto I. an den Konvent der Essener Stiftsfrauen geschenkt wurde. Sie ging dann später in den Nießnutz der Aibtissin selbst über. Als 1332 die persönlichen Güter der Äbtissin zusammengestellt wurden, rechnen dazu auch drei Dellwiger Bauernstellen. Auch diese sind also einmal aus dem allgemeinen Stiftsbesitz herausgenommen und der Äbtissin zugeeignet worden. Es sind dies:

1. die Hufe des Everhard von Delewyk,

2. die Hufe des Konrad von Delewik,

3. die Hufe des Konrad Overbeck (ultra rivum).

Alle diese Hufen zahlen bestimmte Abgaben, und zwar, wie das bei den Ehrenzeller Gütern üblich ist, am Tag des hl. Gallus zwölf Pfennig  einen Schilling, dasselbe zu Christi Himmelfahrt, ein Maß Roggen am Vorabend von St. Dionysius, eine Haferabgabe von sechs Maß vor Andreastag und eine Gerstenabgabe von drei Maß am Tage vor Thomae. Da die beiden erstgenannten Hufen nach dem Ortsnamen benannt sind, wird man sie als das in zwei Teile zersplissene Urgut von Dellwig ansehen dürfen. Sie entsprechen den späteren Gütern von Funnemann und Voß. Ein Gut, Herskamp oder "Hirsekamp", untersteht dem Prämonstratenserkloster Stoppenberg. Das Gut Terboven ( "da oben") erscheint als ein Lehen des Klosters Deutz. Für eine Reihe von Gütern läßt sich keine Hofeszugehörigkeit aus alten Quelle nachweisen; sie scheinen freieigen gewesen zu sein, so Dieckmann, Hammer, Hüttmann, Kranendieck, Puls, Schepmann.

Aber diese verwickelten Zustände haben sich auf die Dauer nicht halten können, nachdem das alte Verwaltungssystem, das mit Hilfe der ritterlichen Dienstmannen und adeligen Beamten arbeitete, an den Anforderungen eines modernen Betriebes, der einen festen Nutzen abwerfen sollte, gescheitert war. Jetzt übernahm eine geschulte Behörde die stiftische Güterverwaltung. Aus dem Jahre 1668 liegt eine ausführlich gehaltene "Landmatrikel" vor, die zum Zweck der Besteuerung angefertigt wurde. Sie zeigt gegen früher stark veränderte Verhältnisse. Die Zugehörigkeit zu anderen Höfen als Borbeck ist verschwunden, ebenso wie die freien Eigen. Die Dellwiger Bauern sind jetzt alle nach dem Hof Borbeck "zehentbar", mit alleiniger Ausnahme von Puls, der allein als "zehentfrei" bezeichnet wird. Es ist also eine weitgehende Ausgleichung und Verwaltungsvereinfachung eingetreten. Bemerkenswert für die DelIwiger Verhältnisse ist, daß dort, wie in andern Bauerschaften im Bruchgebiet, die Vöhdewirtschaft herrschte. Das bedeutet, daß es zweierlei Ackerland gab: solches, das ständig besamt wird und im Besitz desselben Bauern bleibt, und solches, das nur für einige Jahre, drei oder fünf Jahre, besamt wird, und dann eine Reihe von Jahren zur allgemeinen oder sonstwie geregelten Benutzung als Viehweide brach liegen bleibt, damit es sich wieder erholt. Solange dient es als "Vöhde", das heißt: als Futterweide. Jeder Bauer besitzt also zweierlei Land: "Feldland" als dauernden Besitz und "Bruchland" als zeitweiligen, durch, Weidebetrieb unterbrochenen Besitz. Dieses Bruchland ist das Ergebnis einer von der Gemeinschaft der Bauern durchgeführten Urbarmachung der moorigen Strecken auf dem Kreienbruch, dem Klaumer Bruch und der Heiligen Wiese (im Gebiet der heutigen Zeche Prosper). Das Bruchland ist also das Ergebnis einer Gemeinschaftsarbeit. Daneben gab es persönliche Urbarmachung. Solches Land, wenn es "von Busch zu Land gemachet" war, blieb zehentfrei, ebenso die Anlage von Kotten auf Gemeinde- oder Privatland. Dafür blieben diese Neubauern oder "Kötter" aber auch vom Genuß der Mark ausgeschlossen; sie besaßen kein "Markenrecht", sondern waren auf die Gunst der "Nachbarn" angewiesen, die es ihnen erlaubten, ihre "Beesten" auf die Gemeinde zu treiben. Die Markenrechte standen den Altbauern zu, die normalerweise je ein Markenrecht besaßen. 1668 besaß Johan Koecke (Kauke) zwei Markenrechte. Es scheint eine Verschiebung eingetreten zu sein, da vorher dieser Vorzug bei Kranendieck beruhte. Das weitest gebende Markenrecht besaß aber der ursprünglich vom Heribertistift in Deutz als Ritterlehen ausgegebene Hof Terboven: ihm standen vier Markenrechte zu. Seitdem der Hof als Bauerngut verpachtet war und der Pächter wiederum einen Halfmann zu Halbpacht eingesetzt hatte, waren diese Rechte zu zwei und zwei auf beide Anwesen verteilt.

Zum Abschluß folgt nun eine Zusammenstellung der Dellwiger Bauern nach der Landmatrikel von 1668, mit Angaben ihrer Markenrechte. Johan Koecke (2), Johan ter Baven (2), Halfman ter Baven (2), Johan Hüttman (1), Stoffel Voß (1), Herman Pulß (1), Rötger Funneman (1), Wilhelm Hamecher (-), Wilhelm Cüpers (-), Gördt Sandgate (1), Johan Schepman (1), Johan Viselman (1), Dietherich Heeßkamp, (1), Herman Bonenkamp (1), Gerhrd Lanterman (-), Jasper Beckman (1), Rütger Rahman (1), Hammershövener (1), Johan Kranendieck (1), Herman Dyckman (1).