ein Beitrag von
Heinz Lappe
Interessengemeinschaft
gegen Luftverschmutzung e.V. Essen-Dellwig
Gestatten Sie mir einen kurzen Rückblick, beginnend ab dem Jahr 1960.
Was belastete unsere Umwelt damals im näheren und weiteren Umkreis? Also die Luft unser "Grün" und unsere Lungen.
Es waren: Die damalige Rennanlage der Firma Krupp zur Verhüttung
minderwertiger Eisenerze zu Eisen; die Hütte Oberhausen und ihre Zementanlage; die Kokereien, die zu den Zechen gehörte; ob in Essen, Oberhausen - Sterkrade und darüber hinaus.
Ja selbst die Kupferhütte in Duisburg war eine Gefahr bis zu uns herüber. Weiterhin gab es noch viele andere Verursacher in der Belastung unserer Umwelt und somit eine Gefahr für Mensch, Tier und Pflanzenwelt.
Dem wollte der BVV entgegentreten.
Eine Idee entstand. Der Vorstand des BVV, der damit überlastet war, schlug vor: Die IG zu gründen. Einfach gesagt, aber schwer getan. Und dennoch in einer stark besuchten Bürgerversammlung kam der Vorschlag, aus der Not eine Tugend zu machen, wurde die IG gegründet.
Diese fand am 2. Februar 1962 statt und nannte sich fortan IG. Aus dem noch vorhandenen Gründungsprotokoll zeigt die beiliegende Anwesenheitsliste eine Beteiligung von 200 Bürgern und Pressevertretern.
Ja es war
die erste Umweltbewegung in der Bundesrepublik. Wenn Sie so wollen, die "ersten in Sachen Umwelt".
Man nannte uns oftmals die Spinner, denn die Politiker standen oftmals weit von uns entfernt. Wir wollten ja keine Arbeitsplätze vernichten, nein dem Arbeitnehmer seine Familie und Umwelt erhalten und sauberer werden lassen. Das war das Ansinnen von einigen Männern um
Dr. med. Clemens Schmeck, Dr. med. Rolf Roskothen, Heinz
Rössler, dem Mitgründer Sturm-Kegel - Verbandsdirektor des Siedlungsverbandes Ruhrkohlebezirk - , mit
Heinz Lappe der heute noch um eine saubere Umwelt "kämpft", und weiteren Mitstreitern.
Ja und das war und ist es noch bis heute was uns bewegt.
So begannen diese Männer, mit der Unterstützung vieler Bürger im BVV, im Jahre 1962 diesen Kampf, aufzunehmen. Inzwischen konnten wir bundesweit Mitglieder, die gleiche Interessen, Schwierigkeiten und Sorgen hatten, zu unseren Mitstreitern zählen, wohl einige hundert.
Unser Hauptanliegen war das Gespräch mit den Verursachern und Politikern zu führen. Also suchten wir die Industrie (Groß-) oder (Klein-) auf. Man spürte bald, daß wir nicht die Vernichtung von Arbeitsplätzen, sondern das Gemeinwohl aller sahen.
Also nicht Spinner, sondern Streiter für Alle, auch der Industrie und der
Politik.
Erfreulich war dann auch die Erkenntnis der Politik. Bald konnten wir zu unseren Mitstreitern den damaligen
Arbeitsminister Grundmann, die Bundesministerin Frau Schwarzhaupt
und
Friedhelm Farthmann als Sozialminister, ja neben vielen Bürgern auch den
Bischof Dr. Franz Hengsbach und den Superintendenten, zählen.
Sie nahmen oftmals die Gelegenheit wahr an unseren Versammlungen
teilzunehmen.
Stolz sind wir auch, daß das erste Umweltgesetz von NRW viele Anregungen
von uns aufgenommen hat. Unser Miteinander ist so deutlich, daß wir heute noch ein gutes Einvernehmen
mit vielen haben, besonders aber mit den Nachfolgern der Aluhütte, heute Aluminium Essen GmbH. Diese Firma hatte und hat immer ein großes Verständnis für seine Mitarbeiter und der hier lebenden Menschen. Ich sage es gerne,
Herr Ehrke, als dem zuständigen Geschäftsführer: Bleiben wir gute Partner, denn ihr Werk ist vorbildlich auch was das Umfeld des Werkgeländes in der
Begrünung angeht.
Am 16. Mai 1998 wurde Heinz Lappe zum Paten von Ofen 59 ernannt.
Die Einsicht mehr für seine Umwelt tun zu wollen kam 1978 durch die Stadt Essen deutlich zum Ausdruck, in dem der Rat der Stadt den Beirat Umwelt gründete.
Sagte doch der damalige Oberbürgermeister Wilhelm Nieswandt, als wir 1962 bei einem
Besuch im Rathaus, Gläser mit Schmutz von unserer Fensterbank ihm auf den Schreibtisch stellten. "Na Doktorchen, ans
welchem Ofen habt ihr denn den Ruß geholt"? Ja so war es und 1978 die große Wende, sprich Erfolg.
Natürlich trat der BVV mit der "Gruppe Umwelt"
dem Beirat Umwelt bei und gehört ihm mit dem ordentlichen Mitglied Heinz Lappe
und seinen Vertretern Jochen Gierke und Alfred Ignorek an. Dieser Beirat besteht aus 33 Mitgliedern verschiedener Interessengebiete und
Ratsmitgliedern aller Fraktionen. Es werden die Bebauungspläne vorgestellt in der Berücksichtigung der Umweltbelange; Grünanlagen und Biotope diskutiert; Fluglärm; Geräuschminderung an Bahnstrecken (Köln-Mindener Strecke - hier Erfolg des BVV über den Petitionsausschuß des Bundestages erreicht, unsere Abgeordneten des Bundestages
haben sich gut eingesetzt); und vieles andere mehr was zur Umweltverbesserung gehört.
Um so mehr hat es den Beirat Umwelt geschockt und so auch uns als die Vorkämpfer, das im Jahr 1999 das Dezernat Umwelt der Stadt Essen aufgehoben wurde. Diese Aufgaben sind nun auf die verschiedenen Ämter je nach Bedürfnis zugeteilt um mit dem jeweiligen Dezernat der Zuständigkeit zu diskutieren. Schade, eigentlich hatten wir immer gute Dezernenten mit Sachverstand, besonders
Frau Dr. Krüger. Ich möchte betonen, diese traurige Entscheidung zur Auflösung liegt nicht am jetzigen Oberbürgermeister.
Unsere Sitzungen liegen bei sechs im Jahr. Dazu kommen noch notwendige Ortsbesichtigungen.
Mögen wir auch weiterhin den Schöpfungsauftrag ernst nehmen. So daß wir jeden Morgen die güldene Sonne aufgehen sehen und uns der Natur erfreuen können, die da aus dem Menschen, den Tieren, dem Grün der Wiesen und Wälder und der sauberen Luft besteht.
Danke
Schlußbemerkung
40 Jahre Umweltbewegung im Beirat Umwelt am 28.02.2002 und wenn ich als noch lebender Gründer und noch aktiver Umweltschützer, auch inzwischen älter geworden bin, so möge das Bemühen um eine lebenswerte und somit saubere Umwelt immer das Bestreben und die Aufgabe des Beirates Umwelt der Stadt Essen bleiben.
Vergessen wir nicht unsere Stadt war es die auch 1978 als Vorreiter in der Bundesrepublik einen Beirat gründete. Also erfüllen wir und Sie weiterhin diese so dringliche Aufgabe den Menschen, das Tier und die Natur zu erhalten
Besondere Ehrungen erfuhren einige Gründungsmitglieder:
Dr. Clemens Schmeck Straße - Dr. Clemens Schmeck Gedenkstein am ehemaligen Zechengelände - Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse, 1977.
Dr. Rolf Roßkothen - Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse, 1979.
Heinz Rößler - Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande, 1984
Heinz Lappe - Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande, 1982
Somit möchte ich im Jubiläumsjahr 150 Jahre Stift und Stadt Essen" daran erinnern, daß vor 40 Jahren schon Bürger sich Sorgen um die Umwelt machten.
Einer von ihnen war auch Dr. Clemens Schmeck, der 25. Mai 1918 geboren wurde und am 28. Februar 1984 starb. Heinz Lappe ist das letzte lebende Gründungsmitglied der IG.
Als Sohn eines praktischen Arztes in Essen-Dellwig am 25.05.1918 geboren,
studierte er Medizin in Hamburg, Leipzig, Freiburg und Würzburg. Nach
Staatsexamen und Promotion übernahm er die väterliche Praxis. Als
Vorsitzender des Bürger- und Verkehrsvereins für die Stadtteile Dellwig
und Gerschede von 1951 bis 1974 unterstützte er über diese ständige
Bürgerinitiative den Wiederaufbau nach dem Kriege. Vor allem lag ihm
dabei die Wohnumfeldverbesserung am Herzen. Für einen nachhaltigen Kampf
gegen die Umweltverschmutzung durch die Schwerindustrie gründete er aus
dem Verkehrsverein heraus 1962 die "Interessengemeinschaft gegen
Luftverschmutzung", die schnell an Bedeutung gewann. Sie ist
nachweislich die erste Umweltschutzbewegung in der Bundesrepublik. Zu
dieser Zeit war der Umweltschutz noch nicht populär.
Aus ganz Deutschland wurden Menschen Mitglieder dieser
Umweltschutzinitiative. In vielen Gremien im parlamentarischen Raum, so im
Immissionsausschuss der NRW-Landesregierung, galt sein fundiertes Wort und
sein nachdrücklicher Rat.
Für seinen Kampf für die Umwelt wurde er 1974 mit dem
Bundesverdienstkreuz 2. Klasse und 1982 mit dem Bundesverdienstkreuz 1.
Klasse ausgezeichnet. In Essen-Dellwig erinnert die
Clemens-Schmeck-Straße und ein Gedenkstein (Findling) mit einer Platte an
den 1984 verstorbenen unermüdlichen, aber jederzeit fairen Streiter.
Nachdem die Aufgaben der Interessengemeinschaft als erfüllt betrachtet
wurden, da der Schutz der Umwelt Allgemeingut geworden ist, hat sie sich
1992 aufgelöst.